Zweite Etappe – Autun

In Frankreich, yeay! Heute um etwa 9:30 die Grenze überschrittenfahren. Dann, nachdem ich vertrauensselig meinem Navi quer durch Belfort gefolgt bin (warum auch immer) endlich auf der Autobahn. In L’Isle-sur-le-Doubs abgefahren, mich mit B. und ihrem Freund getroffen, einen Kaffee getrunken, weiter gesaust. Die beiden waren auf dem Heimweg von ihrem Urlaub in Korsika und der Provence, und eigentlich wollten wir uns schon ein paar Tage früher in Frankreich treffen, was geklappt hätte, wenn ich das Paper früher hätte submittieren können. So blieb nur ein schneller Kaffee irgendwo auf dem Weg, und die Übergabe von tonnenweisen Reiseführern, die sie mir geliehen haben. Schade, dass ich B. erst so spät kennen gelernt habe, jetzt, wo es quasi zu spät ist. Wäre schön, wenn dieser Kontakt bestehen bliebe. Da haben wir ewig nebeneinander im Französischkurs gesessen, und uns erst in den allerletzten Stunden mal auf ein Getränk verabredet – doof, eigentlich sollte man sowas gleich machen, wenn einem Leute sympathisch sind. 

Na gut.. Autun. Ich bin also in Autun. War heute auch schon beim Bischof. War nicht da, ist ja auch schon 175 Jahre tot, und hat hier überhaupt nur etwa einen Monat seines Lebens verbracht (nämlich vom 11. März bis zum 12. April 1789) – in dieser Zeit hat er “Wahlkampf” betrieben, denn er wollte von seiner Diözese in die Nationalversammlung gewählt werden, was ihm ja, wie man weiß, auch gelungen ist. Weil er mit seiner Wahlkampagne so sehr beschäftigt war (die zum größten Teil darin bestand, die Honoratioren und wichtigen Leute seines “Wahlkreises” zum Essen einzuladen und zu belustigen), hatte er sehr wenig Zeit, in der Kathedrale irgendwelche Messen zu lesen (nach denen ihm ohnehin nicht der Sinn stand – eine Pontifikalmesse zu Mariä Verkündung, die man ihn überredete, zu halten, verlief wohl ziemlich chaotisch, Talleyrand hatte sich nie für die praktische Seite des Priesterseins interessiert. Das gute Essen und der Charme des Gastgebers stimmten seine Wahlmänner (und -frauen!) dann aber anscheinend milde). 

Und natürlich hat er eine Antrittsmesse halten müssen, bei der er allerlei Schwüre geleistet hat, die er dann hinterher wieder gebrochen hat – er ist ja nicht umsonst exkommuniziert worden. 

Also habe ich nicht nur den Bischofssitz (von außen) betrachtet, sondern konnte auch dank des sehr hilfreichen Buches des Herrn Docteur Guy Rérolle den Weg nachvollziehen, den Monseigneur d’Autun genommen hat, um von selbigem zur Kathedrale zu gehen (in ein besticktes Chorhemd gehüllt, und von  allerhand klerikalen Damen und Herren mit Kreuzen und Weihwasser begleitet – also, der Bischof, nicht ich). Kein sehr weiter Weg, aber recht steil – dürfte nicht ganz einfach gewesen sein für den Prälaten, der ja nun so gar nicht gut zu Fuß war. In der Kathedrale selbst fliegt auch heute nicht die Kuh, immerhin kann man die Kerzenleuchter und das Kreuz noch finden, die damals den Altar zierten, als der neugebackene Bischof dort Chaos anrichtete – die stehen heute in einer Seitenkapelle namens “Petitjean”, zusammen mit allerlei Gerümpel. Auch hier ein Dank an den Docteur Guy Rérolle, ohne sein Buch hätte ich a.) nie gewusst, dass damals diese riesigen, ziemlich scheußlichen Kerzenleuchter vorne im Chor standen, und b.) auch nicht, wo sie heute stehen.

 Ansonsten ist Autun ganz niedlich, aber doch ziemlich schnarchig, und ich kann es gut verstehen, dass der Bischof von Autun sich just am Ostersamstag wieder aus dem Staub gemacht hat – der Grund dafür war aber sicher nicht nur die Verschnarchtheit des Städtchens (und dass man ihn mehr oder weniger konkurrenzlos ohnehin wählen würde), sondern auch, dass er am Ostersonntag mit Sicherheit noch eine weitere Pontifikalmesse hätte halten müssen. Das muss ich ja nun glücklicherweise nicht, sondern kann mich direkt nach dem Frühstück aufmachen nach Avignon. Mal sehen, ob da jemand auf der Brücke tanzt. 

Ach ja – das Lied habe ich dann lieber doch nicht gespielt.

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