Arles und Aix

Habe ich vor kurzem noch geschrieben, Frankreich müsse entvölkert sein? Wenn irgend ein Land gegenwärtig entvölkert sein muss, dann ist es Amerika – denn die sind alle hier. Busladungen, ganze Horden von Amerikanern – in Avignon, Arles, Aix (und das sind erst die Städte mit A! Nur in Autun waren keine…) Angetan mit Shorts und riesigen Kameras vor dicken Bäuchen stapfen sie staunend durch enge Gassen, aber was soll ich sagen – ich bin ja nun hier auch Tourist, genau wie sie, und wenn sie dann vor einem Hotel stehen, in dessen Fassade ein Stück Tempel aus der Zeit des römischen Kaisers Augustus steckt, dann denke ich sicher genau wie sie auch: Wow, krass! 

Dennoch ist es für sie eine sehr viel fremdere Welt als für mich – obwohl auch ich mich hin und wieder etwa angesichts der elektrischen Verkabelung an den Häusern eher an Kathmandu erinnert fühle denn an heimische Gefilde – und einige der Häuser in Arles sehen schon so aus, als seien sie nicht mehr renoviert worden, seit Vincent van Gogh sich dort ein Ohr abgeschnitten hat. Und dann biegt man wieder um die Ecke und *Bäm!*: die Arena – irgendwie rechnet man ja wirklich nicht damit, dass in solchen Orten mit solchen engen Gassen dann plötzlich solche gigantischen Bauwerke rumstehen.

Und Markt in Arles, so ein schöner Markt! Da gab es alles, was das Land, was der Acker, das Feld, der Wald, die Wiese, der Obstgarten, der Stall, … hergibt. Die Düfte! Wie verlockend das alles aussah! Leider kann ich mir nicht jetzt schon das Auto vollknallen mit Würsten und Käse und Knoblaucholiven, aber ach… ein Traum. Und dann, wie in der Mongolei, gab es einen Stand mit Pferdehalftern und Trensen und Zügeln und all sowas – klar, ist ja quasi das Tor zur Camargue…

Was ja sehr angenehm ist, sind zwei Dinge: die in Deutschland bei den Damen ja zur Zeit sehr verbreitete Mode, sehr, sehr enge Hosen zu tragen, gibt es hier so nicht. Diese superhautengen “Röhrenhosen” – hieß das nicht so, in den Achtzigern? trugen früher eigentlich nur Junkies, und sie stehen wirklich niemandem: für dicke Frauen ist das unvorteilhaft, und dünne sehen auch doof drin aus. Hier tragen die Leute erfreulich normale Hosen. Das zweite ist, dass die Franzosen nicht so einen Auto-Fetisch haben, wie die Deutschen. Es gibt hier sehr viel mehr kleine und auch ältere Autos, und darin sitzen keineswegs nur arme Schlucker. Natürlich verschiebt sich dann aber auch das Ende des Spektrums des Alters der herumfahrenden Vehikel, was dazu führt, dass hier allerhand total schraddelige, uralte Kistchen herumeiern, in denen dann meistens noch ältere, dicke Männer sitzen, die ein wenig so aussehen, als hätten sie gerade noch die Hühner gefüttert (oder den letzten Pinselstrich getan oder den letzten Vers geschrieben, es scheint da zwei Kategorien zu geben), bevor sie sich auf den Weg gemacht haben. Auf jeden Fall ist das gut gegen den Sozialneid, der mich in meiner noch-Heimatstadt hin und wieder überfällt. 

War dann gestern noch in Fontaine de Vaucluse (sehr pittoresk), Carpentras (noch verschnarchter als Autun – ein Ort, um den die Päpste eine Stadtmauer bauten, dann dachten, “ach nee, hier is doch doof”, und weiter nach Avignon zogen) und L’Isle-sur-la-Sorgue, wo es mehr Antiquitätengeschäfte gibt, als sonstwo, und bin heute früh nach Aix-en-Provence gefahren. Aix ist schön. So richtig entspannt südfranzösisch schön, und ich habe nichts getan, als in irgendwelchen Cafés rumzusitzen und dem Treiben auf dem Markt und den amerikanischen Touristen zuzusehen. Erinnern konnte ich mich allerdings mal wieder an nichts, nur, dass man irgendwie unter Platanen saß. Aber es ist auch mindestens 30 Jahre her, dass ich zum letzten Mal in Aix war, mit meinen Eltern – nur, als ich da am Markt saß und meinen Sirop de Menthe trank, da wehte manchmal so ein Geruch rüber… da kann jede visuelle Erinnerung einpacken. Und auf dem Weg zurück zum Hotel gab es Fußballbäume!! Hahahah, ich hatte ganz vergessen, dass es die gibt. 

Und ich freue mich auf Six-Fours… 

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