Allerhand Eindrücke

Ach, es ist schön hier unten, wo die Sonne nicht einfach von oben scheint, sondern die ganze Luft voller Licht ist. Und der Himmel ist blau und das Meer ist blau, nicht einfach blau, sondern BLAU! Zum Beispiel so:

Image

Das ist in Cassis. 

Da war ich also, in Cassis, und dann in La Cadière-d’Azur, Le Beausset, Le Castellet (wunderschöne kleine Dörfer – nur Le Castellet ist ein bisschen disneylandhaft, schade, dass der ganze Ort quasi nur aus Andenkenläden besteht, denn ansonsten wäre er zu schön, um wahr zu sein, ein richtiges Bilderbuchbergdorf). Zurück über Bandol. Bandol, so heißt es im Reiseführer, sei mondän – ich würde sagen, schickimicki. Sanary ist da so viel schöner! Ich werde auf der Straße dann doch sehr viel lieber von schraddeligen, uralten Renault-Kastenwägen gedrängelt, als von weißen Porsches… 

Also, Sanary: 

Image

 

Und dann bin ich natürlich (und zwar am Tag davor) zum Cap Sicié gefahren und zur Notre Dame du Mai hochgelaufen. Dort war mir zunächst ein wenig mulmig zumute, denn obwohl auf dem Parkplatz ein paar Autos standen, war ich erstmal mutterseelenallein, und dann kam mir auch noch ein junger Mann mit einem Gewehr über der Schulter entgegen. Der rief mir ein fröhliches “Bonjour!” entgegen – mein “Bonjour” zurück klang etwas verzagt, glaube ich, und ich dachte schon daran, umzudrehen (auch, weil er dann auch noch anfing, am Gewehr rumzufummeln), bin aber dann doch schnell weiter gegangen. Vermutlich ist Jagdsaison, aber ich finde Leute mit Gewehren irgendwie prinzipiell gruselig. Es ist dann hier ja aber so, dass jeder Franzose (es muss *jeder* sein, anders ließe sich die Menge nicht erklären) nach seiner Pensionierung ein Rennrad kauft, sich in die allerfarbenfroheste Fahrradkluft wirft, und mit hochrotem Kopf die Berge hochstrampelt. Bei uns sind das ja eher jüngere Leute, die sich dann auf dicken, hochtechnisierten Mountainbikes querfeldein die Berge hinunterstürzen – die scheint es hier nicht zu geben, sondern nur die älteren auf zarten (aber sicher ebenso hochtechnisierten) Rennrädern – dafür aber in Massen und überall, also auch auf dem Cap Sicié. Und weil es sich dann eben sehr schnell herausstellte, dass auch hier wieder der ganze Berg voll war mit Radlern, habe ich mich dann doch recht schnell wieder sicher gefühlt und das Pfefferspray wieder eingepackt, das mit B. noch geliehen hat (das im Zweifelsfall aber gegen Gewehre auch eher nicht viel hilft). Aber so konnte ich dann von oben schön auf Toulon und auf der anderen Seite auf Six-Fours runtergucken. 

Heute will ich mal nach Toulon fahren, am besten mit dem Bus, sonst geht doch noch was schief – gute Güte, was war ich der Frau gestern dankbar, der ich beim Ausparken auf dem Parkplatz vom Carrefour meinen Außenspiegel in ihre geöffnete Hintertür gerammt habe, und die auf mein zu Tode erschrockenes Gestammel, wie zutiefst untröstlich ich sei, nur sagte, “Ce n’est pas grave, Madame!”  Was? Nicht schlimm? Vor meinem inneren Auge liefen schon Szenen ab, in denen Gezeter und Versicherungen vorkamen, Polizei, Gericht, Guillotine. Geht ja zuweilen schnell. Nein, hier nicht. Pas grave. Ich bin dann aber doch lieber schnell weggefahren, bevor sie es sich noch anders überlegt. Und fahre jetzt lieber doch mit dem Bus nach Toulon rein…  

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

3 Responses to Allerhand Eindrücke

  1. Franzi says:

    Hahahaha!!! Endlich durfte Dein Auto mal ein anderes …, nun ja …, beschaedigen ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Und die Szene erinnert mich total an Madeira. Wenn Leute etwas entspannter miteinander umgehen, ist das so schoen!
    Bis bald und liebe Gruesse aus Down Under!

  2. Elke says:

    “Pas grave” – ich finde, das ist eine ganz großartige Grundeinstellung! Vielleicht sind die Franzosen doch gar nicht so doof, wie ich immer dachte… Weiter gute Fahrt!

    • gnlwth says:

      Danke! Ja, es ist echt alles ein bisschen entspannter hier – kann natürlich auch Nachteile haben, wenn man nach langer Fahrt am Hotel ankommt, und da hängt ein Zettel “Retour vers 15 hs” – “vers” lässt sich halt schon recht weit fassen… aber na ja – das muss man dann eben auch entspannt sehen. Auf jeden Fall waren bis jetzt echt alle unheimlich nett, denen ich begegnet bin!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s