Sechste Etappe: Bourbon l’Archambault

Zwar quillt das Wasser in der Auvergne tatsächlich überall aus der Erde, aber glücklicherweise, zumindest während meiner Anwesenheit, nicht aus dem Himmel – nicht so wie auf dem Weg dorthin, wo zwischen Avignon und Lyon temporär die Welt unterging. Was hat das geschüttet, die ganze Autobahn stand unter Wasser. In Bourbon l’Archambault schien dann aber die Sonne, und ich konnte auf den Spuren des illustren Badegastes wandeln, der dort vor fast 200 Jahren zugange war. Sehr viel ist allerdings leider nicht mehr übrig. Eins von den “Souvenirs actuels” ist das Hotel, in dem er immer abgestiegen ist (in dem ich auch hätte wohnen können, wenn ich nicht so knausrig wäre):

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Das Hotel heißt Grand Hotel Montespan – Talleyrand et Logis Sévigné. Ich finde, es liegt ein bisschen zu viel Gewicht auf Montespan, aber gut, sie ist hier gestorben, während er sich das verkniffen hat – da darf man sie ruhig ein bisschen mehr ehren. Und da sie das schon 1707 getan hat (und die Marquise de Sévigné sogar noch länger schon tot ist), hieß das Hotel anscheinend bereits so, als Talleyrand dort wohnte. Später logierte er dann in einem anderen Hotel, das auf einem Berg liegt (und heute eine Schule ist). Von dort ließ er sich in einer Sänfte zur Therme tragen, und weil die kleine Straße herunter sehr steil war (die Straße gibt es noch), war einer der Sänftenträger groß und der andere klein; beim Sänftehochtragen haben sie dann ihre Plätze getauscht. Clever, das!

Mehr als das Hotel und die Straße ist aber heute nicht mehr zu erkennen, auch die Therme ist nicht mehr die alte, sondern Ende des Neunzehnten Jahrhunderts neu gebaut worden. Von der alten Therme ist nicht mehr viel übrig.

Ansonsten gibt es nicht so wahnsinnig viel zu sehen in Bourbon l’Archambault. Dennoch finde ich, dass die Auvergne völlig zu unrecht total unterschätzt wird, denn es ist wirklich richtig schön da. Niedliche kleine Dörfer voller Blumen, mit winzigen, alten Kirchlein und rustikalen Gasthöfen (in so einer Auberge, im Nachbardorf von Bourbon l’Archambault (Saint-Aubin-le-Monial)  habe ich logiert und wurde dort regelrecht mit Gastfreundlichkeit überschüttet). Es ist keine aufregende, wilde Landschaft, sanft und freundlich ist sie, Fuchs und Hase sagen sich dort Gute Nacht (beziehungsweise sie sagen dem Asphalt Gute Nacht, wird halt immer recht schnell gefahren in ländlichen Gegenden), und wenn man mal einem dieser braunen Schilder begegnet, die sonst neben Autobahnen auf Sehenswürdigkeiten wie Schlösser, Burgen, Kathedralen und historische Altstädte  hinweisen, dann weist es auf eine ganz bestimmte Rindersorte hin, die dort auf den Weiden grast. Schöne Kühe! Die allermeisten Kühe in Frankreich scheinen weiß und fluffig zu sein, das war ja in der Bourgogne auch schon so. Flokatikühe, von weitem kann man sie für sehr große Schafe halten.

Das war also Bourbon l’Archambault. Jetzt bin ich in Reims, wo ich morgen nochmal so richtig auf Talleyrands Spuren wandeln kann – und auf allerhand anderer historischer Persönlichkeiten Spuren natürlich auch. Und wo ich für zwei Tage das kleinste Badezimmer der Welt mein eigen nennen kann – wenn das 1qm ist, fresse ich einen Besen… (Ja, das links vom Waschbecken ist wirklich die Dusche, und ich stehe in der Tür!)

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