Koh Kho Khao

Zeit für einen Zwischenbericht: 10 Tage Strand, Meer, Urwald liegen hinter mir, einen Elefantenritt habe ich überlebt, habe in tropischen Gewässern geschnorchelt und bin mit dem Moped durch Dschungel und Kautschukplantagen geholpert. Aber von vorne.

Es war eine lange Anreise, sechs Stunden nach Dubai, sechs Stunden auf dem dortigen Flughafen rumgelungert, wo man, wenn man nicht Elektronik oder scheußlichen Goldschmuck shoppen will, wirklich absolut nichts machen kann, sechs Stunden nach Phuket, zwei Stunden Taxi, mit der Fähre übersetzen, wieder Taxi, und dann waren wir endlich da, I. und ich, mitten in der Nacht. Der nächste Morgen erfreute uns mit dem vermutlich besten Ort, an dem man frühstücken kann:

20131125-093127.jpg

Und dort verbrachten wir die ersten zwei Tage, bevor wir anfingen, unser Inselchen richtig zu erkunden, Koh Kho Khao, das fest in der Hand russischer Touristen zu sein scheint, warum auch immer. Nur unsere Bungalows wurden fast ausschließlich von Deutschen bewohnt.

Insgesamt war aber nicht viel los, auch nicht am Strand:
20131125-093346.jpg

An einem Tag mieteten wir uns ein Moped, auf dem ich mich, durch schlechte Erinnerungen an einen vor sehr langer Zeit nicht gerade glücklich verlaufenen Ausflug auf einem gemieteten Moped vorbelastet, zunächst etwas beklommen an I. festklammerte; meine Anspannung ließ allerdings bald nach, da ich schnell merkte, dass sie den kleinen blauweißen Flitzer gut im Griff hatte. So gut, dass wir schließlich sogar auf den wildesten Schotterpisten über Stock und Stein (vor allem Stein) fuhren, was dann schon ein bisschen aufregend war. Den Wasserfall, zu dem wir eigentlich wollten, haben wir dann nicht mehr erreicht, da es dunkel wurde (und das geht schnell, eine Dämmerung gibt es hier nicht). Trotzdem war es prima, mal in den Urwald zu kommen. Dort, mitten im Wald, war mehr Verkehr als auf der einzigen richtigen Straße der Insel, und zwischen den Kautschukplantagen leben Leute in Hütten, die aus Brettern und Wellblech und irgendwelchen alten, rostigen Tonnen gebaut sind, und winken und lachen, wenn man an ihnen vorbei fährt. Überhaupt wird hier viel gelächelt und gewunken, zumindest von den Frauen, die Männer wahren die Distanz, indem sie sehr ernst an einem vorbeischauen.

Die Kautschukbäume haben mich überrascht, die hatte ich mir nicht so schlank und hoch vorgestellt. Sie stehen in Reih und Glied und erinnerten mich irgendwie an Soldatenfriedhöfe; an jedem hängt unten ein kleines schwarzes Töpfchen, und da weinen sie ihren Gummi rein. Manchmal sieht man Bambusgestelle, auf denen ausgewalzter Kautschuk trocknet, das sieht aus wie aufgehängte bleiche Badematten.

Ja, die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit: zweimal wurden wir bei unseren Ausflügen auf dem Festland auf dem Weg von der Bootsanlegestelle zur Hauptstraße, wo eine Bushaltestelle ist, mitgenommen, einmal von einer Familie in auf einem Motorrad mit Ausleger, auf den wir uns dann auch noch quetschten, einmal von einer Frau auf einem Moped, mit der wir dann zu dritt ohne Helme unbehelligt durch eine Polizeikontrolle fuhren. Wir waren beide Male sehr dankbar, denn es sind 5km vom Pier zum Highway, und es gibt keinerlei Public Transport dazwischen.

Schön war auch, dass wir zufällig genau zum Lichterfest in Thailand waren: Madame Pranee, die Dame, die unser unbedingt weiterzuempfehlendes Etablissement schmeißt, hat auch für uns Touristen Laternen und aus Bananenblättern gefertigte kleine “Schwimminselchen” in Form einer Lotusblüte mit Blumen, einer Kerze und Räucherstäbchen drauf besorgt. Die Laternen (eine Papierröhre von etwa einem Meter Länge und einem halben Durchmesser, mit einer in eine Drahtkonstruktion eingespannten brennbaren Substanz am offenen, unteren Ende) haben wir am Strand gestartet, als der Vollmond im Zenit stand und die Flut ihren Höchststand hatte. Vorher haben wir noch mit Edding unsere Wünsche draufgeschrieben. Man konnte sie eine ganze Weile leuchtend über dem Meer verschwinden sehen. Die Lotusinseln haben wir am Hafen zu Wasser gelassen, bestückt mit Geldmünzen und ausgerupften Haaren, auf dass es Glück bringen möge. Ich habe 5 Baht draufgetan, 1 Dirham aus Dubai, und 50 Cent – das sollte dafür sorgen, dass ich gut wieder heimkomme.

20131125-094009.jpg

So schön es war, auf einer mehr oder weniger einsamen Insel zu wohnen, ein wenig unpraktisch war es dann schon – jedes Mal, wenn man mal wo anders hin wollte, musste man mit dem Longtail Boat zum Festland übersetzen und dann eben irgendwie zur Hauptstraße kommen. Spannend war es allerdings, in der Hafenkneipe zu sitzen und dem Treiben am Hafen zuzusehen: wie Leute mit Pickups, die bis obenhin und darüber hinaus mit Brennholz oder Kokosnüssen beladen sind, auf die verrostete Fähre fahren, wie die Fährmänner ihre Longtails über die Meerenge manövrieren, diese beladen mit blassen Touristen mit Koffern und Einheimischen mit Einkaufstüten und Motorrädern.

Obwohl es etwas umständlich war, irgendwo hin zu kommen, waren wir in Takuapa, das allerdings hauptsächlich aus einem Busbahnhof und einem etwas schmuddeligen Markt besteht, in Khao Lak (oh, waren wir froh, nicht dort gelandet zu sein! Nur so Touristengeschäfte, riesige Luxusresorts und sehr merkwürdiges Klientel), und im Khao Sok Nationalpark. Dort haben wir eine Nacht verbracht, in einem Baumhaus, dessen Fenster man tagsüber geschlossen halten musste, damit keine Affen reinklettern. Ich hatte mir den Dschungel lauter vorgestellt, aber außer dass irgendwann am Morgen irgendwelche Affen irgendwas auf unser Dach geworfen haben und der Ventilator ziemlich gelärmt hat, hielt sich der nächtliche Krach in Grenzen. Lauter waren die Grillen am Strand, die jeden Abend exakt bei Sonnenuntergang mit einem wirklich erstaunlich lauten Spektakel angefangen haben, man hätte die Uhr danach stellen können.

Am ersten Tag im Urwald haben wir uns jedenfalls auf einen Elefanten gewagt. Prinzipiell finde ich Elefanten toll, glaube aber nicht, dass ich noch einmal auf einem sitzen muss. Irgendwie hatte ich ja die naive Vorstellung, dass sich Elefanten bevorzugt auf flachem Boden bewegen. Weit gefehlt: Sie klettern die steilsten, felsigsten, matschigsten Berge hoch, sie gehen auf Wegen, so schmal, dass man sie nur einem sehr trittfesten, berggeübten Wanderer zumuten würde, und fallen trotz ihrer großen Füße nicht in die sich neben ihnen auftuenden Abgründe, was zu befürchten ich nicht vermeiden konnte. Aber es ist eigentlich klar, sie wurden früher ja genau deshalb als Arbeitstiere benutzt, weil sie so berggängig sind und besser als jede Maschine die schweren Mahagoni-Baumstämme aus dem Wald ziehen und die Berge herab transportieren können. Man sollte ihnen also schon etwas zutrauen können. Aber auch, wenn sie steiles Terrain und Abgründe offensichtlich meistern und langsam gehen und sich vor jedem Schritt mit dem Rüssel vortasten: gruselig war es schon, darauf zu sitzen.

Sehr viel weniger gruselig war unser Urwald-Trek am nächsten Tag: Die Wege im Nationalpark sind gut ausgebaut, nur an einigen Stellen muss man ein wenig kraxeln, und der ganze Wald ist voll mit Touristen. Wohl deswegen haben sich die Tiere tief dorthin zurückgezogen, wo selten jemand hinkommt, so dass wir außer einigen Affen in den Bäumen und ein paar Vögeln und Schmetterlingen nicht viel gesehen haben. Aber da es in Khao Sok ja neben Tapiren und wilden Elefanten sogar Tiger gibt, war das vielleicht auch besser so.

20131125-094355.jpg

Was noch? Die Similan Islands. Dorthin haben wir einen Tagesausflug gemacht; so wie im Urwald hätte man auch dort eigentlich länger bleiben sollen, denn wo auch immer man hinkommt, die 200 Millionen anderer Tagesausflügler sind auch da, und die verschwinden dann ja abends wieder. Aber es ist auch mit den Menschenmassen beeindruckend, genau so, wie man sich tropische Inseln vorstellt: Dschungel, Palmen, ultrafeiner weißer Sand, türkisblaues klares Wasser. Viele bunte Fische. Das Schnorcheln war nicht so überwältigend wie damals in der Hanauma Bay (ich glaube, dadurch bin ich ein für alle Mal verdorben), aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn wo sonst sieht man eine solche Vielfalt und so große Fische einfach so unter einem?

20131125-094714.jpg

Die letzten zwei Tage auf Koh Kho Khao waren verregnet, so dass wir nicht viel machen konnten außer Meer ansehen, Boote am Hafen ansehen, essen (sehr gutes Essen!) und trinken (Wassermelonensaft und leckeres Singha Bier). Schön ist es, dass man auch bei kaltem (etwa 29 Grad) Wetter im Meer schwimmen kann, denn das Meer hat immer so um die 30 Grad.

Und dann waren die 10 Tage auch schon wieder vorbei, I. wurde mitten in der Nacht abgeholt, um sich auf ihren langen Flug nach Hause zu begeben, ich habe mich am nächsten Morgen auf den Weg nach Phuket gemacht und bin von dort nach Chiang Mai geflogen. Eine Stadt voller goldener Tempel mit grünen und blauen Spiegelchen und von Löwen und Schlangen bewachten Eingängen, vielen, vielen Touristen, Studenten auf Mopeds, kleinen Taxi-Rikschas, alles wirkt ruhig, friedlich, relaxed. Hier werde ich jetzt noch ein paar Tage abhängen, bevor ich nach Bangkok fliege und von dort aus zurück ins kalte Deutschland.

P.S.: Hunde. Die Strandhunde von Pang-nga sind die sanftesten und unaufdringlichsten Geschöpfe, die man sich nur vorstellen kann. Sobald man sich zu Frühstück, Mittag- oder Abendessen niederlässt, kommen zwei, drei oder gar vier der kleinen, etwas räudigen Leibwächter angelaufen. Sie betteln nicht, sie gucken einen nur kurz aus glänzenden braunen Hundeaugen an, und dann legen sie sich neben oder auch gerne mal unter den Tisch und dösen im warmen Sand ein wenig vor sich hin. Einer kuschelte sich auf so rührende Weise auf I.s’ Füße, dass es auch dem hartgesottensten Hundehasser Pipi in die Augen getrieben hätte. Und wen haben die Flöhe gebissen? *seufz*

P.P.S.: Die schönsten Fotos kann ich leider nicht einfügen, da ich die nicht von meinem Fotoapparat auf das iPad kriege. Und sie sind klein, weil die Internetverbindung hier gerade nicht so berauschend ist.

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

2 Responses to Koh Kho Khao

  1. Franzi says:

    Klingt superschoen. Geniesse Chiang Mai und komm’ gut zurueck!

  2. Marlis says:

    Oh – das liest sich ja traumhaft schön. Viele tolle Eindrücke weiterhin.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s