Chiang Mai

Wenn ich heute nicht so enge Hosen angehabt hätte, dann hätte ich mich im Frauengefängnis massieren lassen. Nun wird bei Thai-Massagen (wie ich es am Strand von Pang-nga erfahren durfte) aber nicht geknetet wie bei uns, sondern an allerlei Körperteilen herumgezogen und gedehnt, wobei man seine Kleidung anbehält. Da heute in diesem Fall jedoch Peinlichkeiten zu befürchten standen, ließ ich schnell wieder von der Idee ab, die prinzipiell natürlich eine gute ist: in einem Rehabilitationsprogramm wird den Gefangenen die Möglichkeit geboten, etwas Nützliches zu lernen, das ihnen hilft, nach ihrer Entlassung wieder Fuß zu fassen: Kochen, Nähen, oder eben Massieren. Diejenigen, die innerhalb der nächsten sechs Monate entlassen werden, dürfen ihren neuen Beruf schon ausüben, und was sie dabei verdienen, wird für später angelegt. Mit für eine Thai-Massage deutlich zu engen Hosen kann aber leider kein Mensch zur Rehabilitierung thailändischer Gefangener beitragen.

Chiang Mai ist tiefenentspannt. Alles hier wirkt relaxed und friedlich, eine Stadt voller goldener Tempel mit grünen und blauen Spiegelchen, welchen aus Teakholz mit kleinen Glöckchen, die leise im Wind bimmeln, oder weißen mit Silber:

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Touristen, Studenten auf Mopeds, junger und alter Mönche, Taxi-Rikschas und vieler Cafés und Restaurants, und es ist einfach schön, irgendwo zu sitzen und einfach nur zu gucken. Die Tempel braucht man noch nicht mal mit dem Reiseführer zu suchen, weil wirklich an jeder Ecke einer steht. In manchen sind lustige Sachen drin:

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Falls man es nicht erkennen kann: das sind Hähne. Aus Plastik, etwa 10 cm groß. Der Tempel war offensichtlich den Tieren gewidmet.

Der Nachtmarkt war prima. In meinem Fall der Sonntagsnachtmarkt, denn am Samstag lag ich ein wenig malade danieder, aber da der Lonely Planet sagt, es handele sich um ein Gerücht, dass der am Samstag so viel besser sei als der am Sonntag, weil ohnehin mehr oder weniger dieselben Leute auf beiden verkaufen, bin ich nicht so traurig, dass ich den am Sonntag verpasst habe.

Der Nachtmarkt geht von etwa vier bis Mitternacht, und es wird jede Menge Klamotten, Schmuck und Nippes verkauft, den eigentlich niemand braucht, der aber wunderschön zum Angucken ist. Scöner noch sind die Essensstände und die Köstlichkeiten darauf, und noch schöner ist es, den Einheimischen beim Feilschen und Kaufen und Schwätzchenhalten und Essen zuzusehen.

Irgendwann plärrte plötzlich scheppernd schräge Musik aus allen über der Straße aufgehängten Lautsprechern, und alle, Einheimische wie Touristen, standen still und stocksteif mit an die Seiten gepressten Armen und lauschten andächtig der Nationalhymne. Sobald die aufhörte, ging alles weiter, als hätte man nur eben kurz einen Film angehalten.

Alle paar Meter saßen zwischen den Ständen Blinde und machten Musik, in einigen Fällen deutlich bessere als die “offiziellen” Bands am Straßenrand. Dort sang aber auch ein Polizist in voller und sehr martialisch aussehender Montur mit einer Gitarre und erstaunlich guter Stimme sehr schnulzige Lieder für den Benefit armer Kinder, was irgendwie gleichzeitig rührend und bizarr war.

Auch ein Beispiel westlicher Arroganz habe ich gesehen: zwei junge Amerikanerinnen, eine mit Banjo, eine mit irgend etwas zum Tröten, spielten Hillbilly auf einer Straßenkreuzung, mit dem schriftlichen Hinweis auf dem Banjokasten, dass alles eingenommene Geld den Blinden zugutekommen werde. Sowas ärgert mich, obwohl es natürlich gut gemeint ist. Denn viele der Blinden spielten sehr viel besser als die zwei Country-Schnepfen, aber die fühlen sich selbstverständlich und ganz automatisch haushoch überlegen, so dass sie von oben herab das, was sie nicht nötig haben, denen zukommen lassen können, die es ja so viel dringender benötigen. Es ist sicher wahr, dass die Blinden, die auf dem Nachtmarkt Musik machen, jeden Baht brauchen können, mehr als jede noch so arme westliche Studentin, aber in dieser Gönnerhaftigkeit liegt nicht nur eine unglaubliche Arroganz und Missachtung des Könnens der von ihnen mit Almosen bedachten “Hilfsempfänger”, sondern auch der überhebliche Unglaube daran, dass die mit ihrer Musik für sich selbst sorgen könnten. Das ist den amerikanischen Country-Schnepfen sicher nicht bewusst. Die fühlen sich einfach prima, weil sie sich in der (besseren) Situation sehen, denen überaus selbstlos helfen zu können, die es ja so offensichtlich selbst nicht können und auf ihre Hilfe angewiesen sind. Ob die, die da sitzen und lustige Popmusik machen oder traditionelle Harfe spielen oder Lieder mit Gitarre singen oder Geige spielen wirklich auf die zwei kleinen Wichtigtuerinnen gewartet haben?

Na, egal, ich sollte mich nicht ärgern hier in dieser friedlichen, schönen Stadt, sondern mich an so rätselhaften Dingen wie an einem rosa Elefantenhasen erfreuen:

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2 Responses to Chiang Mai

  1. Franzi says:

    Steffi, ich freue mich so, dass es Dir gefaellt! Warst Du auch in dem Tempel auf dem Huegel (ich habe leider vergessen, wie der heisst)? Und seit dem Reis-Teddybaer weisst Du, dass Du sehr viel juenger aussiehst, ist das nicht wundervoll? Ach, Thailand, seufz.

  2. Pingback: Koningsdag | Auf zu neuen Ufern

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