One night in Bangkok

Seit ich das Hotel für diese eine Nacht gebucht habe, geht mir das doofe Lied im Kopf rum, das hier sogar mal ein paar Jahre verboten war, wegen der Konnotationen an die thailändische Sexindustrie. Diese gibt es ja erst, seit während des Vietnamkriegs amerikanische Soldaten nach Bangkok kamen, und den Ärger darüber, dass einem nun bei den Namen Bangkok wenn nicht als allererstes Murray Head, dann aber Walter Moers einfällt, kann man verstehen.

Viel wichtiger als die Nacht in Bangkok (die ich wenig aufregend schlafend verbracht habe) war aber natürlich der Tag. In den bin ich gestartet ohne eine klare Vorstellung davon, ob ich mir in aller Ruhe prachtvolle goldene Tempel, den Königspalast, den größten liegenden Buddha, den indischen Markt und China Town ansehen würde, oder in irgendeine Demonstration geraten, von Polizisten niedergeknüppelt, verhaftet oder gar erschossen zu werden. Denn seit Tagen beherrschen Unruhen Thailand, von mir bis vorgestern vollkommen unbemerkt – und so wäre das auch geblieben, wenn mich nicht Freunde per Email und Facebook darauf aufmerksam gemacht hätten. Offensichtlich wird daheim von den Medien Panik verbreitet, und ja, das Auswärtige Amt warnt auf seinen Webseiten davor, an Demonstrationen teilzunehmen und Menschenansammlungen zu meiden. Beides wäre mir ohnehin nicht in den Sinn gekommen, aber in die Versuchung wäre ich heute auch gar nicht gekommen, denn alles, was ich an Revolte gesehen habe, waren vier (!) Protestler, die relativ desolat über eine Straßenkreuzung geschlappt sind. Ein paar Polizisten habe ich auch gesehen, die haben sich Wassermelonenstücke an einem Straßenstand gekauft.

Ich bin sicher, dass es hier Plätze gibt, die man wirklich besser meiden sollte. Viele Ministerien sind von den Demonstranten besetzt, die Stromversorgung zum Polizeihauptquartier wurde heute gekappt. Ja, hier sind Unruhen, und ich hoffe, dass niemand zu Schaden kommt, dass es nicht eskaliert, und dass sich eine politische Lösung finden lässt. Im Moment aber gibt es absolut keinen Grund, deshalb nicht hier unterwegs zu sein und sich die Stadt anzusehen: eine Stadt mit 7 Millionen Einwohnern ist ziemlich groß, da kann man Unliebsamem gut aus dem Weg gehen.

Und Erfreuliches sehen. Drum habe ich mir heute den Königspalast angesehen, Wat Phra Kaeo, Wat Pho… die klassischen Touristenattraktionen also, aber darum nicht weniger beeindruckend, sehr, sehr, sehr viel Gold. Bin viel rumgelaufen, über den indischen Markt, kurz an China Town vorbei, bin dann, nach langer Wanderung, eingekehrt, und habe ein Curry mit Reis bestellt. Der Reis wurde mir so serviert:

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Ist das nicht niedlich? Und ich hatte gar kein Kindermenue bestellt…

So, jetzt habe ich noch ein wenig Zeit, bis mich das Taxi zum Flughafen abholt. Ich hoffe mal, dass ich nicht einer Täuschung anheim gefallen bin, und überall da, wo ich heute zufällig nicht war, ist die Straße nass vom Wasser der Wasserwerfer, liegt Pulverqualm in der Luft, sind Zufahrten versperrt, der Flughafen bereits in der Hand der Rebellen. Ich wäre nicht die erste, die an einem solchen Tag schreibt

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