Wo Gewaltfreiheit aufhört

Eigentlich bin ich ja ein unglaublich friedliebender Mensch. Ich verabscheue Gewalt und Waffen aus tiefstem Herzen, und ich kann mit Stolz von mir sagen, dass ich noch nie in meinem ganzen Leben ein Gewehr oder eine Pistole in der Hand gehalten hätte, nicht einmal an einer Schießbude auf dem Jahrmarkt oder gar dem Oktoberfest. Aus Prinzip, aus innerem Widerwillen und abgrundtiefer Abneigung gegen das Prinzip des Schießens. Aber wenn das hier so weiter geht, dann ist demnächst Schluss mit dem Pazifismus, dann besorge ich mir eine Knarre und mähe sie alle um: alle diese ver*&@%$£# Tauben und Ampeln, die einem hier das Leben zur Hölle machen!!!

Die Tauben: Sitzen auf meinem Balkon, kacken alles voll, und sie GURREN!!! Damit fangen sie bevorzugt kurz vor Sonnenaufgang an, der sich im Moment hier so gegen 6:30 abspielt – was unter der Woche o.k. ist, denn um 6:30 klingelt sowieso mein Wecker. Aber wenn man dann einmal ausschlafen kann, wenn man am Wochenende nicht mit der Sonne aufstehen muss: Da sitzen sie und gurren. Und wie ich dieses Gegurre hasse! Seit ich denken kann, verabscheue ich dieses Geräusch. Ich erinnere mich an Nachmittage am Schreibtisch, meine Hausaufgaben vor mir, und vor Wut auf die Mistviecher, die in dem riesigen Nussbaum vor meinem Kinderzimmerfenster saßen und gurrten und gurrten und gurrten, hätte ich heulen können. Vor Wut und vor Machtlosigkeit, weil man sie einfach nicht nachhaltig verscheuchen kann (ohne ein Luftgewehr), und weil ihr Gegurre schlichtweg absolut unerträglich ist. Wer mich foltern will: Spielt mir Tonbänder mit Taubengeräuschen vor, und ich werde dem Irrsinn anheim fallen. Und dann schmecken sie noch nicht einmal gut! Ich hatte schon zwei Mal Taube, einmal im Bogenhausener Hof (der damals immerhin einen Stern hatte, was er heute hat, weiß ich nicht), einmal in Paris. Beides Mal war’s o.k., aber jetzt nicht irgendwie berauschend. Luftratten halt.

Die Möwen (die mich in Schottland, wo ich neben einem Kanal gewohnt habe, sehr genervt haben), empfinde ich hier eher als eine Art Urlaubsstimmungserzeuger (denn hier sind sie relative leise und wenig aggressiv – jedenfalls da, wo ich wohne). Das gelegentliche Mövengekreische, das man von meiner Wohnung aus hört, darf gerne bleiben. Die Tauben allerdings… da bin ich ganz bei Georg Kreisler!

Und dann die Ampeln. Ampelausschießfantasien hatte ich ja schon in Heidelberg, wo ich als junger Hüpfer fast zehn Jahre gewohnt habe und viel autogefahren bin. Dort, so habe ich dann irgendwann gelernt, weil ich einen Kollegen hatte, der denjenigen kannte, der die Ampelschaltungen programmiert hat, dort war das Absicht, dass man nie durchkommt, immer warten muss, jede, aber wirklich jede Ampel rot war (damit den Leuten das Autofahren verleidet wird und die Autos aus der Stadt vertrieben werden) – das war tatsächlich so gewollt. Das war allerdings nichts im Vergleich zu den Ampeln hier. Derjenige, der das “optimiert” hat, der gehört schon fast selbst…. aber nein. Keine Gewalt. Nur manchmal, wenn man dann 25 Minuten für eine Strecke von 8km braucht,  von denen man gefühlte 20 Minuten vor roten Ampeln wartet, wenn jede (grüne) Ampelphase weniger als eine Minute dauert und alle mehr als augenscheinlich außer Phase programmiert sind… dann wünscht man sich vielleicht doch eine Knarre. Fenster runter, ausblasen, die Dinger, weiterfahren. Freie Fahrt für freie Bürger! Davon, dass man auf diese Tour fast 1.5 mal so viel Benzin verbraucht, wie wenn sie einen einfach fahren ließen, gar nicht zu sprechen (und die Nerven, die Nerven!)…

Nein, ich werde auch wegen Tauben und Ampeln nicht gewalttätig werden, auch, wenn mich beide schon sehr nahe an die endgültige Aufgabe aller meiner Grundsätze bringen. Aber das ist dann wohl die wahre Challenge…  nur den Ampelprogrammierer würde ich gerne mal fragen, was er damit eigentlich bezweckt, denn für Fahrradfahrer ist es kein bisschen besser, die Idee, die Leute damit vom Autofahren abzubringen, funktioniert so sicher nicht (zumal die CO2-Bilanz der Trams schlechter ist, als die eines Autos).

Ach, es ist ja Ostern (jedenfalls fast). Also allen schöne, frohe Ostern!! Lasst Euch die Hasen schmecken!

 

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

2 Responses to Wo Gewaltfreiheit aufhört

  1. Marlis says:

    Gewaltfreiheit und “Hasen schmecken lassen” – ts, ts, ts, … 🙂

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s