Gäste im Regen, betrunkene Fruchtfliegen, und Pferdeschinken, richtig deklariert

Das waren die Themen der letzen Tage. Also erst: Gäste. Die letzten (angekündigten) Gäste vor Dezember haben sich wieder verabschiedet, nachdem sie mehr Zeit als geplant ein wenig unglücklich auf meinem Sofa saßen, während der Wind sich draußen alle Mühe gab, den Regen so richtig gegen die Scheiben zu klatschen. Wir hatten uns das ja so vorgestellt, dass die Erwachsenen gemütlich im Strandcafé sitzen, während das Kind zu ihren Füßen selig im Sand spielt –  tja, Pustekuchen: bei 13 bis maximal 15 Grad, 70 bis 135 km/h Windgeschwindigkeit und strömendem Regen war das dann nicht so die Option der Wahl. Mich persönlich betraf das schlechte Wetter zwar nicht so direkt, da ich ja sowieso die Werktage in meinem (ab Dienstag sogar beheizten) Büro verbracht habe, aber für den Besuch tat’s mir sehr leid. Der Besuch hat natürlich versucht, das Beste aus der Situation zu machen, aber so richtig prima war’s für D. & H. mit E. halt nicht. Und August ist halt eigentlich schon was anderes. 

Und so wird es langsam Herbst: Seit nun über einer Woche geht die Sonne auf, nachdem ich morgens aufgestanden bin, und das tut sie ab jetzt bis zum 21. April nächsten Jahres. Abends sind wir heute bei 20:45 Uhr; in den Geschäften hängen Wintermäntel und Wollpullis. Plötzlich scheint Weihnachten nicht mehr weit. 

Aber: Trotz Herbst- und Winterfeeling nisten sich ungebetene Spätsommerbesucher ein: Die ganze Bude ist voller Fruchtfliegen. Wo kommen die her? Ich habe nie Obst daheim, ich finde Obst anstrengend und ich kaufe daher super selten welches – wo also kommen die ganzen winzigen Viecher her, die ständig in meinem Rotwein herumschwimmen? Dauernd muss ich eins retten, das dann orientierungslos auf meiner Zeigefingerspitze herumtorkelt, nachdem ich es vorher in unappetitlicher Manier aus meinem Glas fischen musste – die kleinen borrachos profesionales (Huhu, Ranger!) puste ich dann aus dem Fenster, auf dass sie draußen ausnüchtern (und hoffentlich nie wieder rein kommen). Aber wo kommen sie her? Der Besuch brachte Äpfel mit für’s Kind und kaufte Trauben, aber beides ist schon lange gegessen, der Müll abgeholt, weit und breit kein Krümelchen mehr – und sie tauchten auch erst auf, als der Besuch schon lange wieder weg war, drum kann ich mir nicht vorstellen, dass es etwas mit den paar Äpfeln zu tun haben kann, die sie aus meiner ältesten Heimat mitgebracht haben (wenn ja, dann wären es hessische Fruchtfliegen, was sie ja tendenziell eher sympathischer machen würde). Auf jeden Fall stehe ich vor einem Rätsel. Eigentlich – wenn sie mich nicht auch irgendwie total nerven würden – finde ich sie ja niedlich. Und ja, unglaublich: ein Beweis, wie absolut erstaunlich die Natur sein kann: Sie sind soooo winzig. Und sie können fliegen! Das kann ich nicht, obwohl ich so viel größer und deutlich komplexer aufgebaut bin. Sie hingegen sind klein und so… schlicht in ihrer Konstruktion, aber sie haben Beinchen und Flügelchen und ein Gehirn (so klein! so unfassbar klein, und doch funktionsfähig!) das sie steuert; sie essen und pflanzen sich fort, und sie… leben. Sie sind so winzig klein, und dennoch sind sie ein Teil der belebten Welt, ein Symbol für die Vielfalt und Diversität von dem, was Leben ist, was das Universum auf wundersame Art hervorbringen konnte: Und deshalb rette ich sie, wenn sie in meinem Rotwein (der sie magisch anzuziehen scheint) zu ertrinken drohen, und bringe sie nicht um, obwohl sie mir echt auf den Geist gehen. Nur wenn ich ihr Nest finde (oder wo auch immer sie wohnen), dann fliegt das natürlich im hohen Bogen in den Müll, da kenne ich nichts. 

Was noch? Im Supermarkt gewesen, Schinken gekauft. Wie immer nur nach dem Aussehen, nicht nach dem Etikett – wenn’s lecker aussieht, landet’s in meinem Schlund, egal, was es ist (auch hier erfreut mich die Diversität der belebten Natur). Das Produkt meiner Wahl sah sehr ansprechend aus (und war dann auch sehr lecker): Dunkles Fleisch, sehr mager, gleichzeitig aber sehr zart und eher weich, leicht nussiger Geschmack: köstlich! Hat sich (als ich dann doch mal nachgesehen habe, was ich da eigentlich gekauft habe, auf dass ich es wieder kaufen kann) als Pferdeschinken herausgestellt. Also, wenn ich sie schon nicht reiten kann, dann esse ich sie halt jetzt. Kann ich nur empfehlen! 

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