Der bräsigste Urlaub ever

Ich werde in Urlaub fahren. Das letzte Mal, Thailand, ist nun schon über ein Jahr her, und es wird allerhöchste Zeit, mal wieder rauszukommen und was anderes zu sehen. Die Wahl des Urlaubsorts war diesmal wirklich eine schwere Geburt; ich schwankte zwischen Mauritius, La Réunion, Curaçao, Kanaren, Kapverden,… einfach mit dem Auto losfahren, diesmal nach England, … um es kurz zu machen: Ich war höchst unentschlossen. Nicht so furchtbar weit weg, aber irgendwohin, wo es warm ist, jetzt aber keine Taifune, Hurrikane oder andere Wetterunbilden (Regenzeit) zu  erwarten sind, das Land politisch halbwegs stabil, wo man gut alleine unterwegs sein kann (denn so wird es werden), was keine großartige Vorbereitung erfordert und nicht übermäßig anstrengend ist (vorhandene Infrastruktur, kein ständiges Verhandeln etc.) – und das war dann irgendwie das Stichwort: Anstrengend.

Eigentlich nämlich steht mir der Sinn nach Garnichtstun. Null. Nix. Nur: Schnorcheln, denn seit ich in der Hanauma Bay war (und später auf den Similan Islands), lässt mich der Gedanke nicht mehr los, wieder einen Blick in diese Welt zu werfen; die Stille, das Treiben auf warmem Wasser, die vielen, vielen bunten Fische in allen Formen und Farben unter mir: das ist die ultimative Entspannung, das könnte ich stunden-, ach was, tagelang tun. Und genau das werde ich jetzt: Ich habe mir eine kleine Insel rausgesucht, 350 auf 275 Meter groß, ohne Schnickschnack, aber umgeben von einem anscheinend großartigen Riff, das alles beherbergt, was im Indischen Ozean so rumschwimmen kann (inklusive Wasserschildkröten, Haie, Rochen und Mantas, wenn man Glück hat). Sonst gibt es da nichts, und genau so wollte ich das: keinen Pool, keine Animation, keine Wassersportangebote.

Es war gar nicht so einfach, eine Malediveninsel zu finden, die noch so halbwegs ursprünglich ist; Bathala war leider auf lange Sicht ausgebucht, und so gut wie alle anderen sind das, was ich persönlich als Ferienhölle empfinden würde: mit Designpreisen ausgezeichnete Fünf-, Sechs-, Siebensterne Resorts mit Spa, 18-Loch Golfplatz, Cocktails am Pool, Jetskis, die über die Korallen brätschen, Animation für Kinder und Erwachsene, und Abends zum Dinner muss man sich aufbretzeln, weil der Sommelier sonst die Nase rümpft (von den anderen Gästen gar nicht erst zu reden): grauenhafte Vorstellung. Ich inmitten von Massen von Honeymoonern, die Romantic Candle Light Dinners buchen, Gästen, die sich mokieren, dass in ihrem Zimmer ein Gecko war oder dass das Rindersteak 40$ kostet (wo sollten auf den etwa 1200 Atollen und Sandhäufchen im Meer, aus denen die Malediven bestehen, Kühe grasen?) und es ständig Fisch gibt…  Also, Velidhu. Auf Velidhu gibt es nicht einmal WiFi (das ist nun ein bisschen schade, aber irgendwie ist es dann auch mal gut, so richtig raus aus allem zu sein: wenn schon, denn schon. In der Mongolei hat’s mir auch nicht gefehlt). Also werde ich etwa 10000 Bücher auf meinen Kindle packen, einen Bikini und meine Schnorchelsachen in meinen Koffer, und dann kann’s losgehen. Und dann werde ich am Strand liegen, lesen, bunte Fische angucken, und hin und wieder mal ein Bier trinken.

Und sonst gar nix. Nie in meinem Leben hätte ich gedacht, dass ich einmal einen so derart bräsigen Urlaub machen werde, aber so isses nun halt, und der nächste wird dann wieder ein bisschen mehr Kultur und Action beinhalten.

P.S.: An der Wahl der Provinzparlamente darf ich natürlich doch nicht teilnehmen, das dürfen nur niederländische Staatsbürger. Na gut, aber wenigstens darf ich die Waterschap wählen, die mich besteuert und den Deich unterhält, der mich vor dem Meer schützt – das steht heute in einer Woche an. Bin gespannt, wie es in holländischen Wahllokalen zugeht!

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