gnlwth

Als ich 13 Jahre alt war, beschloss ich, Astronomin zu werden. Damals las ich all diese Bücher aus der Stadtbücherei, die ich zwar nicht verstand, die mich aber grenzenlos faszinierten: Schwarze Löcher, Quasare, ferne Galaxien – was ist Materie, was ist Energie, woher kommt alles, wohin gehen wir? Ich wollte die Welt, das Universum verstehen, ich wollte wissen, warum Raum und Zeit zusammen hängen, ob und warum Mathematik die Sprache der Natur zu sein scheint, was die Welt im Innersten zusammen hält. Und wie aufregend es schien, diesen Fragen nachzugehen! Ich wollte mein Leben der Wissenschaft widmen, so wie die Männer, über die ich in den Büchern las, die der Menschheit Wissen schenkten.

Also studierte ich nach dem Abitur Physik und Astronomie, promovierte in Astronomie, arbeitete als Wissenschaftlerin in allerhand Ländern mit der allergrößten Freude, bis… ja, bis es nicht mehr ging. Leider fehlen mir die grundlegenden Eigenschaften, die einen guten und potentiell erfolgreichen Wissenschaftler ausmachen: vor allem brenne ich nicht so sehr für dieses eine Ziel, als dass ich alle anderen Wünsche und Interessen hinten anstellen könnte. Ich liebe die Literatur, liebe Reisen, liebe Musik und Theater und Kunst und interessiere mich für Geschichte und …. und und und….. und natürlich liebe ich meine Freunde, Wandern, Kochen, gemeinsam Dinge unternehmen, Ausgehen, Leben! Einfach leben. Wer aber ein guter, erfolgreicher Wissenschaftler sein will, der muss sich der Wissenschaft verschreiben. Eine Anekdote aus meiner Doktorandenzeit soll das illustrieren: Da gab es diese Geschichte von dem jungen Postdoc, der zu seinem Chef ging und sagte:”Professor xxx, ich werde heiraten, ich möchte Sie zu meiner Hochzeit einladen.” Daraufhin sagte sein Chef: “So, Sie haben also Zeit für eine Beziehung mit einer Frau? Dann nehmen Sie die Wissenschaft offensichtlich nicht ernst genug”, und schmiss ihn raus.

Ich habe schon lange keine Lust mehr, alles “der Wissenschaft” zu opfern. Dazu ist mir mein Leben zu kostbar. Und ich bin einfach nicht dazu geschaffen. Nach einigen Jahren des (Ver)Zweifelns und (Ver)Suchens, nach einer gescheiterten Beziehung, dem x. Zeitvertrag und keiner Perspektive für die Zeit danach, begann ich, mich nach Alternativen umzusehen. Meine erste ernstgemeine Bewerbung auf eine Stelle außerhalb des Wissenschaftsbetriebs war erfolgreich. Unglaublicherweise habe ich damit, mit meinen nun 40 Jahren, den Sechser im Lotto gezogen (glaube ich): eine feste Stelle (die erste in meinem Leben), supersicher, interessant und spannend, gut bezahlt, in internationalem Umfeld, und… in Holland. Na gut, eigentlich wollte ich hier bleiben. Ich fühle mich wohl in der Stadt, in der ich jetzt lebe, ich habe Freunde hier, ich wohne hier jetzt schon fast 8 Jahre, da wird man schon ein bisschen heimisch. Aber Holland ist bestimmt auch ganz toll.

Auf alle Fälle freue ich mich auf den Neuanfang. Im Januar werde ich umziehen, im Februar geht’s los. Vorher, sobald ich mehr oder weniger abgeschlossen habe, was ich noch fertig bringen will, möchte ich noch ein bisschen unterwegs sein, in Frankreich und Thailand, das ist jetzt so der Plan.

Auf alle Fälle geht es jetzt bald auf zu neuen Ufern, und ob’s die Welt interessiert oder nicht, ich nehme mir vor, hier mal ein bisschen zu berichten, wie es mir dabei so ergeht.

 

Geschrieben in der Stadt, in der ich noch immer lebe, im September 2013

Advertisements

One Response to gnlwth

  1. Caroline says:

    Viel Glück an den neuen Ufern und Respekt, dass du den Mut hast, dorthin aufzubrechen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es lohnt sich immer! 🙂

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s