Ein Jahr

Ein Jahr wohne ich jetzt hier – ein Jahr und sechs Tage. Ein gutes Jahr, aber ein bisschen auch ein Jahr im Niemandsland, denn so richtig ganz und gar angekommen bin ich hier noch nicht – das soll sich ja aber jetzt ändern.

Was meine Integrationsbemühungen angeht, bin ich jedenfalls auf einem guten Weg. Zwei Mal bin ich bereits mit Eisschnelllaufschlittschuhen über die Eisschnelllaufbahn gesaust geeiert, und letzte Woche hatte ich meine erste Holländisch-Stunde.

Schlittschuhfahren: Glücklicherweise nicht mit Klapschaats, ich will mir gar nicht ausmalen, wie es sein muss, die Dinger an den Füßen zu haben. Statt dessen bin ich sehr dankbar für die superstabilen Anfänger-Plastik-Schuhe, die hoch über den Knöchel gehen und einem wenigstens ein bisschen die Illusion von Stabilität geben… Meine erste Amtshandlung  war dann auch, mich erstmal hinzulegen: Schuhe angefriemelt, einen Schritt aufs Eis, bäng, da lag ich. Aber dann ging’s eigentlich ganz gut. Es ist halt schon ziemlich anders als mit den Kunstlaufdingern, die ich als Kind hatte, weil die Kufen so lang sind. Das heißt, man muss sich ganz anders abstoßen, weil man sonst Löcher ins Eis hackt, und man muss sich daran gewöhnen, dass die Schuhe vor allem vorne quasi sehr viel länger sind als die eigenen Füße – aber diese Länge gibt einem halt auch einen gewaltigen Hebel, und man wird sehr schnell sehr schnell.

Drum war das erste, was die Lehrerin uns gezeigt hat, auch das Bremsen, das – dank der langen Kufen – zwar anders, aber eigentlich sehr viel besser geht, als mit den kurzen der Kunstlaufschuhe (oder der Eishockeyschuhe, die einige aus meiner Gruppe haben).

Der Unterricht läuft sehr systematisch ab, was gut ist, weil man die Bewegungen gleich richtig lernt (soweit ich das, was die Lehrerin uns erklärt, nachmachen kann, denn ich finde es schwer, gleichzeitig aufzupassen, dass ich in niemanden reinfahre – es sind insgesamt vier Gruppen mit jeweils sicher 10 Leuten, also ist man nicht alleine auf der 250m-Bahn, und die aus der Fortgeschrittenen-Gruppe haben auch keine Rückspiegel – und zu kontrollieren, ob ich auch die Füße richtig abhebe (oder eben gerade nicht), die Knie nah genug aneinander habe,  das Gewicht auf dem richtigen Bein, die Arme da sind, wo sie hingehören…). Das Ganze erfordert einige Konzentration, macht aber wirklich wahnsinnig Spaß, denn einmal ist die Lernkurve unglaublich steil, zum anderen ist es großartig, sich da auch mal einfach dem Gleiten und Sausen hinzugeben… Mittagspause well spent. Und die Leute sind auch alle nett, wobei natürlich diese Art von Sport nicht unbedingt dazu geeignet ist, Leute besser kennen zu lernen – aber man wird sehen.

Ah ja: Sprache. Die Schlittschuhfahrlehrerin dürfte eine der sehr wenigen Holländer sein, die kein Englisch sprechen. Vielleicht traut sie sich auch nicht, aber das Ergebnis ist dasselbe: Der Unterricht findet auf Holländisch statt, ich bekomme also zum Eisschnelllaufkurs noch einen Sprachkurs gratis dazu. Ist aber o.k., denn sie macht ohnehin alles vor, was sie uns erklärt, somit lerne ich jetzt eben Eisschnelllaufvokabular. Nog een rondje?

Dafür findet der Holländisch-Kurs auf Französisch statt, was daran liegt, dass die allermeisten anderen Kursteilnehmer Franzosen sind, und die Lehrerin (eine sehr nette und lustige ältere Dame, Irene, die, wie sie uns erläuterte, so heißt, weil ihre Eltern Pazifisten waren) perfekt und fast akzentfrei sowohl Englisch aus auch Französisch spricht – also erklärt sie dies auf Englisch und das auf Französisch, nur Deutsch, sagte sie, spreche sie nicht. Muss sie auch nicht, ich will ja Holländisch lernen, Deutsch kann ich schon. Und früher oder später kann sie auch alles auf Holländisch erklären – nur im Moment, wo es mehr darum geht, das Alphabet gemeinsam aufzusagen und die Personalpronomen zu lernen, geht das natürlich noch nicht.

Dass die anderen Franzosen sind (komplementiert durch ein griechisches und ein deutsches Ehepaar sowie einen Iren) verlangsamt natürlich den Unterricht ein bisschen (es ist halt für Deutsche schon leichter, Holländisch zu lernen, als für Leute, deren Muttersprache eine romanische Sprache ist), aber das ist vielleicht dann auch gar nicht soooo schlimm, dann komme ich wenigstens ohne großen Aufwand gut mit, und wenn ich dann irgendwann doch die Geduld verliere, kann ich immer noch Privatunterricht nehmen.

Auf jeden Fall bescherte mir diese eine Stunde bereits das unglaubliche Glücksgefühl der sich öffnenden Tür.

Wenn ich könnte – also, die Zeit und die geistige Kapazität hätte – dann würde ich alle Sprachen lernen. Denn dieses Gefühl, wenn aneinandergereihte Buchstaben und Wörter plötzlich einen Sinn ergeben, das ist kaum zu übertreffen. Das ist dann wirklich so, als öffne sich eine Tür, durch die man einen Blick erhaschen kann auf unendlich sich dahinter ausbreitende Räume – was Holländisch angeht, schien im letzten Jahr ja schon ein wenig Licht durch’s Schlüsselloch (allein durch das Radiohören und hier Leben bekommt man ja schon ein bisschen was mit), durch diese zwei Stunden Unterricht ist die Tür aber tatsächlich bereits einen winzigen Spalt aufgegangen, und ich kann es kaum noch erwarten, dass sie sich weiter und weiter öffnet und ich irgendwann sogar hindurch treten kann. Leider ist das immer der schwierigste Teil, und das ist auch der Grund, warum ich eben nicht alle Sprachen lernen kann: Der Anfang ist einfach nur die pure Freude, dieses Sichöffnen, dieser Erkenntnisgewinn, von Null auf Hundert in kürzester Zeit. Und wenn man dann irgendwann verstanden hat, wie die Grammatik funktioniert und wie das mit anderen Sprachen zusammen hängt, dann kommt der harte Teil, das Verstehen, wie man etwas ausdrückt (ganz abgesehen davon, mit Muttersprachlern dann auch wirklich kommunizieren zu können, das ist natürlich die Krönung des Ganzen) – das macht auch Spaß, ist aber eben mit erheblich mehr Anstrengung und auch Frustration verbunden. Aber da ich davon im Moment natürlich noch meilenweit entfernt bin und es jetzt erstmal um Aussprache, ik, jij, hij/zij/het, …  und die Deklination von “sein” geht, kann ich mich sicher noch lange am immer heller werdenden Lichtschein erfreuen, der aus dem Türspalt dringt.

Weil das so schön ist, und weil ich so einen Spaß daran habe, zu verstehen, wie Sprachen funktionieren und was ihre Eigenheiten sind, würde ich gerne mal eine lernen, die ganz vollkommen anders funktioniert, als diejenigen, die ich kann (was sich auf sehr wenige und neben Deutsch und Englisch ausschließlich auf romanische, nämlich Spanisch und Französisch beschränkt). Irgendeine, die nicht hellgrün ist:

Sprachfamilien der Welt

Ich hatte immer Hawaiisch im Kopf (was übrigens an der Münchner Volkshochschule gelehrt wird), denn da ist die Aussprache relativ einfach, das Alphabet hat nur 12 Buchstaben plus einen Glottisverschlusslaut (a, e, i, o, u, p, k, m, n, w, l, h und das ‘Okina), und nach Hawai’i würde ich auch nochmal fahren. (Ich fand auch immer, dass es unheimlich sympathisch klingt – Sprachbeispiel.) Allerdings ist es nicht die sinnvollste Sprache, die man lernen kann, und außerdem sollte ich jetzt alle Energie und Zeit, die ich habe, auf das Lernen von Holländisch verwenden – und dann ist wieder Französisch an der Reihe, denn da habe ich die Tür zwar schon durchschritten, aber von lustig in den dahinter liegenden Räumen Herumtollen kann keine Rede sein. Hawaiisch oder irgend eine andere nichthellgrüne Sprache muss warten…

Posted in Uncategorized | 2 Comments

Forever and ever…

Fast 42 Jahre musste ich alt werden, um zum ersten Mal in meinem Leben eine feste Stelle zu bekommen. Heute war es soweit: Ich bin confirmed, ich kann anfangen, hier zu leben. Ich kann mir eine Wohnung kaufen, Holländisch und Schlittschuhfahren lernen, und endlich Leute kennen lernen, vielleicht sogar Freunde finden.

Es war dann alles noch sehr aufregend, was auch damit zusammen hängt, dass kurz vor den Weihnachtsferien, wenn 33 Leute hysterisch auf DIE Unterschrift warten, allerhand Gerüchte herumgeistern, jeder macht sich und alle anderen total fertig, und dann wurde auch noch einer aus meinem “Jahrgang” tatsächlich nicht übernommen – und da es bis heute mittag (als dann das eine oder andere Detail die ganze Sache in ein etwas anderes Licht rückte) noch hieß, das sei völlig ohne Grund und aus dem Nichts heraus geschehen, hat das nicht dazu beigetragen, die allgemeine Panik bei denen, die (so wie ich) DIE Unterschrift noch nicht hatten, irgendwie zu besänftigen.

Aber heute gab es sie, mein Chef war da, sein Chef war da: alle Unterschriften geleistet. Historisch. Handschlag, Küsschen rechts und links, Ende Januar gibt’s die Ernennungsurkunde. Und Champagner.

Ob ich einmal so denke, wie Donovan es besingt in Goldwatch Blues?

I went up for my interview on the fourth day of July.
Personnel man he questioned me until I nearly cried,
Made me fill in forms until I shook with fear
About the colour of my toilet roll and if my cousin’s queer.

CHORUS:

Here’s your goldwatch and the shackles for your chain
And your piece of paper to say you left here sane.
And if you’ve a son who wants a good career
Just get him to sign on the dotted line and work for fifty
years.

He asked me how many jobs I’d had before.
He nearly had a heart attack when I answered, four.
Four jobs in twenty years, oh, this can never be
We only take on men who work until they die.

CHORUS.

He took me outside to where the gravestones stand in line.
This is where we bury them in quick-stone and in lime
And if you come to work for us on this you must agree,
That if you’re going to die please do it during tea BREAK.

CHORUS.

This story that you heard you may think rather queer
But it is the truth you’ll be surprised to hear.
I did not want no job upon the board,
I just wanted to take a broom and sweep the bloody floor.

CHORUS.

Posted in Uncategorized | 2 Comments

Das Wertvollste

Heute hat der Postmann ihn gebracht, meinen neuen Reisepass, beantragt vor etwas mehr als drei Wochen auf dem Deutschen Generalkonsulat in Amsterdam. Und als ich ihn dann in der Hand hielt,  jungfräulich ohne einen einzigen Stempel und mit einem scheußlichen Passfoto versehen, da dachte ich: Das hier ist eigentlich der wertvollste Gegenstand, den ich besitze. Nicht mein Auto, nicht mein Fahrrad, nichts, was sich in diesem Moment in meiner Wohnung befindet, ist mir mehr wert. Die Möglichkeit, zu reisen, wohin ich will: Das ist das großartigste, was es gibt. Dieses kleine rote Büchlein: Freiheit. Unbezahlbar.

Sobald ich confirmed bin, will ich wieder los, werde ich buchen. Nichts Aufregendes; nach diesem langen, anstrengenden Jahr ohne Reisen steht mir der Sinn nach einem Ort, an dem es warm ist, keine fiesen Krankheiten gibt, wo das Essen gut ist, im Meer bunte Fische schwimmen, und der nicht mehr als 10 Flugstunden von den Niederlanden entfernt ist: Mauritius. Im Herbst dann hoffentlich Vietnam. Und dazwischen? Wer weiß? Ich habe ja einen Pass…

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Holländische Flexibilität im öffentlichen Nahverkehr

Heute war verkaufsoffener Donnerstag, und ich wollte in der Stadt was besorgen, weshalb ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren bin. Der Heimweg hat sich etwas gezogen – aber mit einer netten Begebenheit aufgewartet.

Nachdem ich erstmal eine viertel Stunde auf meine Tram gewartet hatte, fuhr die dann nur zwei Stationen weiter und schmiss alle Fahrgäste wieder raus. Dunkel, kalt, leichter Nieselregen – aber nur 11 Minuten später kam ja schon die nächste Tram 3. Die fuhr dann irgendwohin, aber nicht dahin, wo sie sonst so langfährt – irgendwann kam die Durchsage, die Tram 3 führe jetzt mal da hin, wo sonst die Tram 2 hinfährt. Nun gönne ich der Tram 3 zwar die Abwechslung, ist ja langweilig, immer die gleiche Strecke zu fahren, aber irgendwie wäre ich halt auch gerne nach Hause gekommen, und das ist nicht da, wo die Tram 2 hinfährt. Also bin ich an einer Straßenkreuzung, an der die 3 die Linie 12 kreuzt (die quasi fast vor meine Wohnungstür führt), rausgehüpft, und habe auf besagte Tram 12 gewartet. Die nicht kam. Statt dessen kam eine 16 (die sonst nie da lang fährt), auf der aber leider in großen gelben Leuchtbuchstaben “Sorry, geen dienst” zu lesen, und die abgesehen vom Fahrer menschenleer war. Nun war ich beileibe nicht die einzige, die an der Stelle die 3 verlassen hat, um die 12 zu nehmen – und siehe da, ein junges Mädchen klopfte an die Fahrertür der verirrten Tram 16 und bat den Tramfahrer, uns alle mitzunehmen – und der hat das gemacht! Weil er ja nicht im Dienst war, ist er dann in einem Affenzahn quer durch die Stadt gesaust (man staunt, wie schnell diese Trams fahren können, wenn sie wollen), und ich war in Nullkommanix daheim. Ich hoffe, er kriegt dafür keinen Ärger, denn dürfen darf er das bestimmt nicht…

Ansonsten: Sollte es einem zu denken geben, wenn die Fahrkartenkontrolleure kugelsichere Westen tragen und Handschellen dabei haben?

Posted in Uncategorized | Leave a comment

In de Waschalach, in de Waschalach,…

…war ich heute. Im Allgemeinen sind Waschstraßen keine Lokalitäten, die ich häufig frequentiere, wenn ich dann aber doch mal in einer war, erfreue ich mich hinterher meistens schon daran, wie sauber das Auto zur Abwechslung mal ist – leider ist die Freude dann ja aber häufig von kurzer Dauer, vor allem, wenn man in Städten wohnt, die von Möwen heimgesucht werden. Albert Camus sagte zwar, dass man sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen müsse, aber vermutlich dachten weder Camus noch Sisyphos dabei ans Autowaschen. 

Seit ich hier wohne, habe ich einmal mein Auto per Hand waschen lassen und war einmal in meiner ältesten Heimat in der Waschalach (unter den skeptischen Blicken der Dorfbewohner, die misstrauisch das gelbe Nummernschild beäugten). Das war im Sommer, ich erinnere mich, dass ich beim Warten in der Sonne schwitzte. Zwei Tage später war ich wieder daheim, und eine Möwe… na ja.

So war ich also, seit ich hier wohne, noch nie in einer gewöhnlichen holländischen Waschanlage – bis heute. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass mein Auto am Montag seine Winderschlabbe draufkriegt, und es mir dann irgendwie doch peinlich wäre, das Auto in seinem gegenwärtigen Zustand in eine Autowerkstatt zu bringen. Daher also: Waschalach.

Andere Länder, andere Waschanlagen. Und die Niederlande haben heute bei mir gepunktet. In Schottland war es keine Freude, in die Waschalach zu fahren, was vor allem daran lag, dass ich die drei Jahre mit einem kontinentalen Auto herumgebraust bin, während natürlich die gesamte Infrastruktur auf Linksverkehr eingerichtet ist. Wer dort in eine Waschanlage fährt, kauft einen Code, den er dann lässig elegant aus dem geöffneten Fenster heraus in den an der Einfahrt zur Waschanlage angebrachten Automat eingibt, kurbelt das Fenster hurtig wieder hoch, fährt rein, und schon geht’s los. Wer das Steuer auf der falschen Seite hat, wird enttäuscht ins Leere greifen, beziehungsweise – so er alleine unterwegs ist – sich schlangenmenschartig im Auto verrenken müssen, um den Code irgendwie (leider sehr wenig elegant) in den Automat einzugeben. Auszusteigen und um’s Auto herumzulaufen (was die Lösung beim Rein- und Rausfahren in kostenpflichtige Parkhäuser ist), ist leider bei der Waschalach keine Option, weil die Einfahrt immer krumm und meistens so schmal ist, dass man die kontinentale Fahrertür nicht mehr aufkriegt. Folglich wurde mein Auto in Schottland noch seltener gewaschen als ich das sonst zu tun pflege.

Nun aber zu der zu glorifizierenden niederländischen Waschalach, in der ich heute war: Man kauft einen Code, fährt rein, steigt aus (schraubt die Antenne ab und klappt die Spiegel ein). Soweit alles wie in Deutschland. Jetzt geht man in einen kleinen Nebenraum, in dem sich außer dem Automat, in den man den Code eingibt, und einem Papierkorb, in den man den Zettel mit dem Code nach der Eingabe werfen kann, nichts befindet, dafür kann man aber durch eine Glasscheibe zusehen, wie das Auto gewaschen wird. Vielleicht ist das so, weil es hier ja doch häufiger regnet, damit der Wartende nicht dumm draußen im Nassen rumstehen muss? Jedenfalls geht es los, wenn man nach Eingabe des Codes auf Start drückt. Und wie es losgeht! Im ersten Moment dachte ich, ich hätte irgendwie aus Versehen ABC-Alarm ausgelöst, mein Auto stünde vielleicht falsch, gleich bräche das Inferno los. Aber nein: Es war nur der Motor dieses “Wascharms”, der sich in Bewegung setzte und dabei wie eine Sirene schrillte. Mein Auto wurde nun unter erheblicher Lärmentfaltung abgeduscht und geschrubbt, wobei sich auch einiger Schaum bildete – wo sonst gibt es bitte noch Shampoo in einer Waschalach? Solange gewaschen, gesprüht, geschäumt und gebürstet wurde, blieben die Tore offen. Erst als das Föhnprogramm anlief, schlossen sie sich. Warum auch immer. Danach: Strahlender Glanz! So sauber war mein Auto in seinem Leben selten. Und jetzt kommt’s: Das Ganze für 8,50 Euro. Es war das zweite Waschprogramm von vier angebotenen, also nicht einmal das allerbilligste. Wow. Vielleicht, weil die Möwen hier schon auf die gewienerten Autos lauern und die Waschalachbetreiber auf häufige Besuche setzen dürfen? Mal sehen, ob’s bis Montag früh um 8:00 Uhr sauber bleibt – vorsorglich habe ich mal nicht unter einem der Bäume vor meiner Tür geparkt…

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Erste Schritte…

… auf dem Weg zur Einbürgerung. Oder – denn so weit will ich doch jetzt mal noch nicht gehen – zumindest zur Integration; als Migrant sollte man sich ja darum bemühen. Deshalb habe ich mich gestern zu einem Holländisch-Kurs angemeldet, und heute zu einem Schlittschuhkurs. Beides geht im Januar los. Schlittschuhfahren kann ich zwar schon, allerdings natürlich nicht mit Klapschaats, und der Holländer als solcher scheint nur glücklich zu sein, wenn er die Klappvariante an den Füßen hat. Bin gespannt, wie integrationswillig ich mich nach den ersten Stunden noch zeige…

Posted in Uncategorized | 6 Comments

So ganz heimlich, still und leise ist dieser kleine Blog ein Jahr alt geworden. Und was für ein Jahr! Zwar passiert hier gerade nicht viel (weshalb es im Moment ja auch hier im Blog ein wenig stiller ist), nichts desto weniger trotz war mein Leben vor einem Jahr noch ein seeeeehr anderes…

Noch immer vermisse ich meine alte “Heimat”stadt (meine Freunde werde ich natürlich immer vermissen), noch immer überfällt mich hin und wieder das Gefühl, das hier sei in Wahrheit nur eine Dienstreise, von der ich bald zurückkehre, nach Hause fahre, am nächsten Tag in mein altes Büro gehe und dort da weiter mache, wo ich vor etwas weniger als einem Jahr aufgehört habe.

Vielleicht liegt das daran, dass mein Leben hier noch immer quasi on hold ist, auf Abruf gewissermaßen, denn man könnte mich noch immer auch wieder heim schicken. Das ist zwar zugegebenermaßen unwahrscheinlich, aber solange auch nur ein Hauch dieser Ungewissheit besteht, fällt es mir schwer, mein neues Leben mit meiner ganzen Seele zu umarmen und anzunehmen. Darum passiert hier gerade nicht viel – ich hoffe und warte auf die erlösende Unterschrift (die es – hoffentlich – irgendwann im Januar gibt), hoffe und warte (und arbeite) und lasse die Tage an mir vorbeiziehen: Keine echte Zeit, Probezeit eben – in jeder Hinsicht.

Das heißt natürlich nicht, dass mir das Leben in Holland noch immer vollkommen unvertraut wäre – vieles ist mittlerweile normal. Und die kleinen Idiosynkrasien meiner neuen Heimat, die mich dann doch immer wieder überraschen (und das hoffentlich noch länger tun, denn sie machen das Leben abwechslungsreich), finde ich eher irgendwo zwischen niedlich und erstaunlich angesiedelt – richtig geärgert habe ich mich bislang noch nicht über irgendwas, im Gegenteil: meistens sind die Dinge besser als in Deutschland.

In die Kategorie “erstaunlich” fällt aber zum Beispiel ein Brief des Gasnetzbetreibers, den ich gestern bekommen habe. Man wolle die Leitungen kontrollieren und schicke deshalb einen Gasmann vorbei. Termine könne man nicht vereinbaren, der Gasmann käme dann einfach irgendwann. Und zwar innerhalb der nächsten drei Jahre. Hahahah!!  Man ist das ja gewohnt, dass Handwerker oder Stromableser zwischen 8 und 12 kommen oder zwischen 15:00 und 17:00 Uhr (was schon nervig genug ist), aber innerhalb der nächsten drei Jahre? Na dann viel Glück, lieber Stedin-Mann!

Ich gehe jetzt mal wieder zum Friseur und lasse mir von Willem eine holländische Frisur auf den Kopf zaubern. Glücklicherweise kann er das sehr gut. Und dann gehe ich vielleicht mal wieder an den Strand, da war ich jetzt seit Wochen nicht mehr – doof, wo er doch nur wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt ist… Euch ein schönes Wochenende, liebe Leser!

Posted in Uncategorized | 2 Comments